|
Böhmen-Rundtour in Tschechien, Juli 2004
Ein Bericht von Phönix (Anke) und Votum (Timo)
Website: Achim
Angefangen hat es im Winter mit einem Posting von Votum im
schwalbennest.de. Er wollte mit seiner Schwalbe gerne in Italien rumfahren
und suchte Mitfahrer. Die Resonanz war nicht gerade berauschend, aber ich
gehörte zu denen die nicht abgeneigt waren.
Über Monate ging die Planung nicht ein Stück voran, bis Votums Arbeitgeber
endlich die Urlaubsplanung bewilligt hatte und wir das erste Mal bezüglich
der Termine und Bahn-Verbindungen für den Autozug telefonierten. Die Idee
mit dem Autozug war zwar gut, aber auch aberwitzig teuer und dank einiger
Unzulänglichkeiten der Bahn passten deren Fahrpläne absolut nicht in unseren Terminplan.
Da Votum aber flexibel ist, ging er auf ein leichthin dahin geworfenes
„Dann pack halt die Schwalbe in den Polo und komm nach Tschechien, hier
ist es auch schön!“ ohne
weitere Diskussionen ein.

geht doch ...
Also war ich langsam im Zugzwang, da ich weder Urlaub angemeldet noch eine
fahrbereite Simme besaß. Aber Simmiopi war bereit, mir aus seinem Fundus
eine S51 zusammenzubasteln, so dass ich mich nur noch um meine
Urlaubsplanung kümmern musste. Chef und Personaler ließen Gnade walten, und
so war auch mein Urlaub geplant.
Kurz vor'm Urlaub wurde die wunderschöne S51 von Simmiopi abgeholt, und zwar
im 3er BMW mit ausgebautem Vordersitz. Klappte prima, und die Zöllner haben
nur wenig irritiert geguckt.
|

Simmiopi -
der Meister himselfe |

geht auch ... |
An einem sonnigen Mittwochabend stand Votum dann vor meiner Tür in
Podebrady, und wir machten uns ersteinmal auf ordentlich was zu futtern
und mal ansatzweise zu überlegen wo wir eigentlich hinwollten.

der Weg ist das Ziel ...
Am folgenden Tag war es auch schön sonnig und warm und bei dem Wetter
trödelten wir beim Zusammenbauen unserer Maschinchen und beim Taschen
packen so lange rum, dass es nachmittag war und sich der Himmel
verfinstert hatte. Nach dem Schließen des Gartentores kam die erste
Schrecksekunde, denn der Hinterreifen meiner S51 war ziemlich platt. Also
ab zur ersten Tanke aber da funktionierte das Aufpumpen leider nicht, auch
bei der zweiten hatten wir kein Glück, so daß ich unseren Urlaub schon
fast scheitern sah. Aber irgendwo hatte ich eine Autowerkstatt gesehen im
Ort und die steuerten wir dann an. Nach kurzem Testen und Ausprobieren
fand der Mechaniker eine Möglichkeit den Reifen zu füllen und los ging es
endlich !

für den Anfang schon ganz hübsch, oder ?
Wir sind dann von Podebrady aus in Richtung Kolin gefahren und nach Karte
kaufen an der Tanke sind wir ab Richtung Kutna Hora. Auf dem Weg dahin
machte meine S51 das erste mal schlapp, denn ich musste auf Reserve
schalten. Is ja nich so gewesen, als haääten wir nicht gerade an drei
Tanken angehalten ! In Kutna Hora machten wir einen Stop an der Kirche,
die ziemlich beeindruckend war. Danach ging es über kleine Straßen im
Zickzack-Kurs weiter.

Die Landschaft war malerisch verspielt ...
An der nächsten Tanke
war dann Vorderradausbau bei der Schwalbe von Votum
angesagt, denn irgendwie hatte sich die Vorderradbremse festgeklemmt.
Angehalten haben wir dann in Prelouc und uns in einem eher schäbigen Hotel
eingemietet, von wo wir direkt in die erste Kneipe geflüchtet sind zum
Futtern und EM-Spiel Tschechien-Griechenland gucken. Die Kneipe war gut
gefüllt und wir hatten viel Spaß, denn die Tschechen sind ein
gastfreundliches und Fußball-begeistertes Volk. Leider sind sie
rausgeflogen. Wir hätten ein Endspiel mit Tschechen gerne erlebt.
Am nächsten Morgen bemerkten wir den Bier-Konsum vom Vorabend, so dass wir
uns eher gemütlich weiter in Richtung Hradec Kralove auf den Weg machten.
Zwischendurch machten wir Pause und futterten Kekse und bei der Einfahrt
in die Stadt bekamen wir in einen ordentlichen Schauer ab, konnten gerade
noch Schutzsuchen unter
einem Torbogen. Angekomen in der Innenstadt hatten
wir jedoch super schönes Wetter, so daß nach Mittagessen erstmal ein
Päuschen auf der Parkbank angesagt war.
Die Weiterfahrt wurde ein wenig davon überschattet, dass mein Hinterreifen
wieder Luft verlor und wir in Jaromer nach einer Werkstatt suchen wollten.
Die fanden wir zum Glück sofort und mit Zeichensprache und Improvisation
konnten wir dem super hilfsbereiten Mechaniker klar machen, dass ich einen
neuen Schlauch wollte. Schnell war das Problem gelöst und auch meinem
erbärmlich quitschenden Vorderrad wurde abgeholfen. Nachdem auch dem
Bremslicht der Schwalbe zu neuer Funktions-fähigkeit verholfen worden war
konnten wir weiterreisen.
 Am Abend sind wir in Dvur Kralove angekommen, wo wir nach einigem Suchen
auch eine luxuriöse Pension fanden. Dort freuten wir uns dann sehr, dass
Votum mich von der ursprünglichen Idee des Zeltens abgebracht hatte, denn
ein heftiges Gewitter war der Vorbote des schlechten Wetters im
Riesengebirge.
Der Weg zur Elbquelle war wunderschön, auch wenn man in Richtung Gebirge
immer wieder Wolkenfetzen am blauen Himmel zu sehen bekam, die in mir
Fluchtgedanken in Richtung Süden auslösten. Aber in der ADAC-Karte war die
Spindler-Mühle als Sehens-würdigkeit eingezeichnet und Votum wollte Berge:
Also ab in die Berge ! Die Spindlermühle haben wir zwar nicht gesehen,
aber dafür fröhlich Minigolf im Riesengebirge gespielt.

Die Elbe 10 km nach ihrer Entstehung im
Riesengebirge

Anke gibt Stoff ! Auf dem Rückweg talwärts hat es dann heftig geschüttet und auf der ganzen
Strecke nach Turnov, - die wunderschön ist - sind wir ordentlich nass
geworden. Meine Schuhe brauchten anderthalb Tage zum Trocknen.

Regenpause In Turnov schliefen wir zur Untermiete im Kinderzimmer einer
Privatpension, da das eigentliche Gästezimmer bereits an andere Reisende
vermietet war. Von dort hatten wir einen tollen Ausblick über die Stadt
und das Land.

faszinierend schon aus der Ferne ... die Burg Trosky
Am nächsten Morgen nahmen wir die irgendwie lustig anmutenden Türme der
Burg Trosky genauer unter die Lupe.

Bei Bilderbuch-Wetter stellten wir uns in die
Besucherschlange und genossen anschließend
die Ausblicke übers Land

Drachentöter beschützt Burgfräulein
Weiter ging es dann nach Mlada Boleslav, wo wir bei MacDoof einkehrten, um
danach frisch gestärkt im schon bekannten und perfektionieren
Zickzack-Kurs den Burgen am Horizont hinterher zu fahren. Angekommen an
der nächsten Burg bevorzugten wir aber die Einkehr in eine Kneipe anstatt
uns zu Fuß den Berg hochzukämpfen.
 Dann weiter nach Melnik, einer Weinstadt an der sich Moldau und Elbe und
ein dritter Fluß treffen. Die Weinreben entdeckten wir aber auch erst kurz
vorm Ortseingangschild, aber dafür waren die Temperaturen nach dem
nasskalten Wetter des Vortages hier angenehme 25 Grad.
 Bei einer sehr netten älteren Dame bezogen wir das Gästezimmer, und auch
für unsere Mopeds wurde bei der Nachbarin ein sicherers Plätzchen im
Vorgarten gefunden. Wir dagegen hatten von unserem Zimmer Blick auf einen
blühenden Rosengarten.

Restaurierte Stadtkerne fast überall...
Am folgenden Tag schafften wir es ausnahmsweise mal früh aus den Federn
gekommen und nach einem deftigen Frühstück am Küchentisch der Hausherrin
gespickt mit persönlichen Erzählungen über Böhmen zu
kommunistischen Zeiten
machten wir uns bei sonnigen Wetter auf in Richtung Prag.
Aber an diesem Tag meinte meine S51 ausgerechnet an einem Hügel liegen
bleiben zu müssen. Und zwar mit eher seltsamen Symptomen. Sie ging aus,
ließ sich ankicken und beim Gasgeben ging sie wieder aus. Also Berg
hochschieben, runterrollen lassen und ratlos vorm Moped stehen. Wie gut,
dass ich nicht allein war und Votum auch schon nach 5 Minuten merkte, dass
ich ihm nicht mehr folgte ...
Nach einer Reinigung des Vergasers lief die kleine Rote wieder wie eine
Eins - Glück gehabt !
In Prag selber kehrten wir erst einmal in einem Restaurant im Vorort ein.
Hier waren die Preise noch einigermaßen auf tschechischem Niveau und um
die Ecke fanden wir auch ein Internet-Cafe um Grüße aus Prag ins
schwalbennest.de und die Rollerfreunde-hannover.de zu posten. Anschließend
gönnten wir uns nur einen kurzen Trip durch die Innenstadt, inclusive
einem unerlaubten Halten auf der Brücke über die Moldau, wo wir höflich
aber bestimmt von einem plötzlich hinter uns parkenden Polizeiauto
verscheucht wurden.
Ein Foto auf dem berühmten Wenzelplatz, dem politischen Schauplatz von
Massendemonstrationen und des „Prager Frühlings“, durfte aber trotzdem
nicht fehlen.

Blick auf Prag

Schwalbe statt sowjet. Panzer Der Weg aus
Prag heraus war allerdings weniger witzig, denn
Tschechien-üblich ist die Beschilderung teilweise etwas sparsam für
Ausländer. Nach nerviger Rundtour durch Prager Vorstädte verschwanden wir
dann in südlicher Richtung aus der Stadt. Unser angestrebte Zielort sagte uns von der Optik nicht zu, dafür wies ein Hinweisschild zu einem
Jawa-Museum in Netvorice eine bessere Richtung. Eine wunderschöne Strecke
erwartetet uns dorthin, doch leider war das Museum geschlossen. Daher
düsten wir die tolle Strecke mit Freude ein weiteres Mal in die
Gegenrichtung, um in Benesov einzukehren. Auf dem Weg dorthin kamen wir an
einem weiteren Hinweisschild für ein Museum vorbei, dass wir uns für den
nächsten Tag aufheben wollten.
Nach letztem Abendessen
in Benesov fing der letzte Tag der Rundtour
nieselig an, aber das Museum entschädigte dafür. Die Rückfahrt nach
Podebrady war leider wettermäßig und landschaftsmäßig eher trübe, so daß
wir nach einem letzten Alibi-Bild vor dem Schild meiner Firma Parker, froh
waren, dass die Sonne wieder rauskam.
Allerdings meinte Votums Schwalbe nach über 700 km, dass sie nun so kurz
vor dem Ziel nicht mehr wolle. Mit Mühe und vielen Pausen schafften wir auch die letzten 10 km noch ... und in Podebrady - unserem Ausgangsort der
Tour - war das sonnige Wetter eine Entschädigung.

Als Fazit kann man sagen, dass zumindest Votum und ich uns in Zukunft mit
„Böhmischen Dorfern“ auskennen und Tschechien ist wegen der vielen guten
idyllischen, wenig befahrenen Nabenstrassen einfach herrlich zum Rollern
ist !
An dieser Stelle möchte ich auch noch einmal Michael Kraus - alias
Simmiopi - danken für die tolle S51 und seine Hilfsbereitschaft! Vielen
Dank, Micha !
Allgemeine Infos
Der Verkehr in Tschechien ist eher gering, die Straßen überwiegend gut und
dadurch dass viele alte Autos unterwegs sind, wird man auch nicht wie
wahnsinnig überholt. Allerdings wurden willkürlich wirkende Spurwechsel
oder Ranfahren an den Straßenrand doch häufig mit wildem Hupen und
Schimpfen quittiert. Blinken hilft!

Begegnung am Andreaskreuz Es fahren relativ wenige Moppeds und Motorräder herum, aber Simmen sind
nichts ungewöhnliches. Gegrüßt wird man von den Motorradfahrern
überwiegend, auch Harley-Fahrer blicken einem hinterher und winken.

Die tschechische Antwort auf Simson
Die Leute sind aber sehr freundlich und hilfsbereit, viele Menschen
sprechen deutsch und das Preisniveau für Übernachtungen und Essen sind
sehr günstig. Ausserdem gibt es Privatzimmer und Pensionen in Hülle und
Fülle.
Die Landschaft in Böhmen ist ganz klar eine Reise wert! Hügelig mit
Vulkanbergen, gebirgig im Riesen- und Erzgebirge, weitläufige Ebenen mit
Flußläufen und viele kleine verschlafene Ortschaften und malerisch halb
restaurierte-halb verfallene Städte.

So müssen Staudämme aussehen
Als Andenken zum Mitbringen nach Hause eignen sich Kristall-Glas, der
Schnaps Becherovka und süße Oblaten zum Futtern, wobei der Suchtfaktor bei
den handtellergroße Oblaten relativ groß ist. Auch die Knödel-Teig
Grundmasse wird gerne genommen.

An technischen Problemen gab es bis auf das finale Zündungsproblem der
Schwalbe nur das übliche: Bremsen einstellen, Bremslicht geht nicht,
Blinker ausgefallen, Tacho-Beleuchtung funzt nicht, Vergaser versifft und
eben dem gammeligen Schlauch keine Probleme.
Das die Schwalbe am Schluß bockte, hat unserem Glauben an die
Zuverlässigkeit der Simmen doch einen leichten Dämpfer versetzt, denn der
defekte Zündgeber war mit klassischen Bordmitteln nicht zu reparieren
gewesen und hätte uns eventuell gezwungen auf die tschechische Variante
des ADAC zurückzugreifen, wären wir nicht ..., ja wären wir nicht schon
fast wieder zu Hause gewesen.
_________________
Text: Anke
Bilder: Timo und Anke
Website: Achim
Schwarzwald-Tour 2003 - klick hier |